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drehstuhlranger
14 December 2008 @ 12:06 pm

Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. (...) Tue nur weg von mir das Geplärr deiner Lieder (...).

Amos 5:21,23


Das muss man sich vorstellen: ein über 2000 Jahre altes Bibelwort des kleinen Propheten Amos drückt nicht nur meine Haltung gegenüber bspw. dem Weihnachtsfest aus ("Ich bin euren Feiertagen gram"), sondern deckt auch die daran geknüpften Problemfelder 'glühweinduftende Weihnachtsmärkte' ("mag eure Versammlungen nicht riechen") und
"Rudolph-the-red-nosed-reindeer"/"Jingle-Bell-Rock"-Gedudel ("das Geplärr deiner Lieder") ab!


 
 
drehstuhlranger
13 September 2008 @ 02:29 pm

Reporter: What credentials does governor Palin have in national security, diplomacy, foreign policy, that qualify her to be your partner (…) on that issue, the fight against Islamistic extremism?

John McCain: Well, obviously the economy is also a major challenge (…)

Reporter: (…) What experience does she have in the field of national security?

John McCain: Energy.



Interview



 
 
drehstuhlranger
28 August 2008 @ 03:07 pm
Ben  
H: Neulich, bei der Abschlussfeier der Olympiade, da fragte ich mich...

B: Ja?

H: ... in dem Moment, da die britische Nationalhymne gespielt wurde...

B: "God save the Queen"?

H: Ja. Da fragte ich mich: Was singt eigentlich ein britischer Patriot, der antimonarchischer Atheist ist?

B: Der kann ja noch immer "Rule, Britannia! Britannia rule the waves!" singen.

H: Zur selben Melodie, also gleichzeitig mit den Anderen, die Gott und Königin besingen?

B: Möglich. Vielleicht passt es ja von den Silben her...

H: Nein, das passt rhythmisch und slibenzahlmäßig leider nicht, er müsste schneller singen...

B: Ja, gut, sind es halt Schnellboote.



___
Fußnote: Eine nach jenem Gespräch durchgeführte Google-Recherche förderte auch eine Veralberung von "Rule, Britannia" zu Tage, die da lautet: "Waive, Britannia! Britannia waive the rules!"

Fußnote für Christian: "Britannia" klingt wie "Brit-Anja".
 
 
drehstuhlranger
http://www.theonion.com/content/node/46458

"Nühühaha!" (Dietmar Wischmeyer). Nichts geht über 2 Jahre alte Band-der-Woche-Scherze mit einer Prise Historikerhumor.
 
 
drehstuhlranger
Steven Seagals neuestes Großwerk "Kill Switch" ist im Schneideraum schwerste Gewalt angetan worden. Folgende Analyse bebildert eine Szene, von deren einzelnen Einstellungen jeweils der erste und der letzte frame zu sehen sind. Man achte auf die grobe Missachtung aller continuity-Regeln, bspw. darauf wo Einstellung 14 aufhört und Einstellung 15 anfängt. Und dann vergegenwärtige man sich noch, dass Actionfilme aus den 80ern heute üblicherweise belächelt werden. Mag sein, dass die Filmninjas damals eher mäßige skillz Talente in martialer Artistik hatten, aber, bei Jawhe!, konnten die Schnitt-Handwerker damals noch Filme schneiden!

 
 
drehstuhlranger
17 August 2008 @ 10:15 pm
Im Erste-Hilfe-Kurs, den ich dieses Wochenende zu besuchen hatte, erinnerte mich ein Teilnehmer stimmlich an Oliver Pochers Oliver-Kahn-Parodie, eine junge Dame an eine Schlagzeugerin, die ein Freund kannte, eine weiter Teilnehmerin erinnerte mich an die nette Theologiestudentin von vor zwei Jahren, der Kursleiter entsprach einem von drei Proto-Typen des lustigen Kumpel-Unteroffiziers von der Bundeswehr (auch wenn er selber Zivildienst leistete) und ein letzter Teilnehmer erinnerte denn auch an einen konkreten Kameraden von damals. Und Jenny Owen Youngs klang in ihrem exzellenten Nonsense-Podcast, der in meinem MP3-Player auf dem Weg nach Hause lief, wenn sie lachte zu mindestens 80% so wie eine andere, mir noch liebere Theologiestudentin. Was mich zu der Frage bringt: Warum verwendet irgendwer überhaupt Geld darauf, Menschen klonen zu wollen, wenn man schon jetzt immer wieder den selben Typen begegnet?
 
 
drehstuhlranger
15 August 2008 @ 11:29 am
Ich möchte das nicht als Kritik an hyperversatilen Schwimmern wie Phelbs verstanden wissen, aber man muss doch mal anmerken dürfen, dass es nur ein halbes Wunder ist, n Medaillen zu gewinnen, wenn man sich in einer Sportart betätigt, die eben n Abstufungen hat. Selbst wenn sie perfekt spielten, müssten unsere Fußball-Damen ja beispielsweise zwanzig Jahre ihres Lebens Opfern bevor sie mal die fünf Medaillen gewinnen, die Phelbs hier in fünf Tagen einfährt. Aus Gründen der Gleichberechtigung sollten überhaupt alle Sportarten so aufgefächert werden wie Schwimmen: Skeet-Schießen auf 25, 50, 100, 150 Ziele, dann das selbe im Doppel, Vierer und Achter, im Doppel, bei Nacht, mit verbundenen Augen, etc. Oder beim olympischen Fußball werden Medaillen in den gesonderten Wettbewerben 11-Meterschießen, direkter und indirekter Freistoß (links, halblinks, mittig, rechts und halbrechts jeweils gesondert) vergeben. Erst wenn jeder Sportler überhaupt erst die hypothetische Chance hat, 8 Medaillen in seiner Disziplin zu gewinnen, herrscht Gerechtigkeit und erst dann ist Phelbs, wenn er seinen Rekord behält, auch der komplette Held, als der er jetzt gehandelt wird.

Im übrigen muss ich anmerken, dass Time Shawn Johnson auf Platz 7 der "100 Olympic Athletes to watch" gesetzt hat, eine Liste, bei der sie bei mir viel weiter oben rangiert. Der Unterschied wird sich daraus ergeben, dass "Time", anders als ich, keine B-Noten in den Kategorien "Quirligkeit", "Knüppelniedlichkeit" und "Sowieso!" vergibt.
 
 
drehstuhlranger
08 August 2008 @ 07:18 pm

Olympia XXIX (China 2008)



Eine wunderschöne, kreative, beeindruckende Eröffnungsfeier, die von vielen Mitwirkenden mit Mühe und Disziplin in ein wirklich schönes, lebendiges Kunstwerk verwandelt wurde.

Worauf ich gerne verzichtet hätte, war der Audiokommentar von Sandra Maischberger, der ich das Recht, die Tibet- und Menschenrechtsfrage in China für eines der wichtigsten Probleme auf der Welt zu halten, nicht nehmen mag, der ich aber sehr wohl nahegelegt hätte, diesen Themen nicht in jedem zweiten Satz einzubauen. Nicht, weil ich mir Dinge totgeschwiegen wünsche, sondern weil mir diese Betonung der innerchinesischen Fragen wie eine großkotzige europäische Unart vorkommt, die die richtigen Dinge mit dem völlig falschen Elan anspricht. Beispiel: Wenn Frau Maischberger auf die vielen Helfer zu sprechen kommt, die innerhalb des Stadions zu sehen sind (Fahnenträger, Tänzer, etc.), diese dann als Freiweilige bezeichnet, sich räuspert und nachfügt: „wenn man das denn sos agen kann.“ Soll wohl heißen: Alles Dissidentenkinder, die zur Teilnahme gezwungen wurden, weil sonst Mama und Papa sofort füsiliert worden wären; mindestens aber Zwangs- und Wanderarbeiter; keinesfalls aber wirklich Freiweillige, die das womöglich noch als Ehre empfinden könnten.

Weiteres Beispiel am Ende: Frau Maischberger summiert die Veranstaltung und bemängelt: Alles zu glatt gelaufen, alles zu perfekt. „Das hinterlässt einen Eindruck der Kälte.“ Da muss die Gegenfrage erlaubt sein: Welche durchchoreographierte Großveranstaltung dieses Ausmaßes wäre denn nicht bemüht perfekt über die Bühne zu gehen? Soll heißen: Schade, dass keiner gestolpert ist? Wirkte unmenschlich, weil die Menschen sich wirklich, wirklich angestrengt haben, was, unerhörter Zufall!, ja irgendwie auch den sogenannten olympischen Geist beschwört?

Und um ein letztes Beispiel zu bringen: Nach einem Programmteil, der Teile der Geschichte Chinas darstellte, machte Frau Maischberger ihrer Verwunderung Luft nichts von Mao gesehen zu haben. Die Schwere der Enttäuschung muss Frau Maischberg schwer getroffen haben: es ist ja auch eine unerhörte Unverfrorenheit der Chinesen, wenn sie ein Licht auf ihre 5000jährige Kultur werfen und gerade auch tibetbewegten Nicht-Chinesen bestimmte Aspekte chinesischer Geschichte nahebringen wollen. Mao da einfach auszulassen, überhaupt auf rote Fahnen zu verzichten, ebenso Hammer und Sichel, brennende US-Fahnen, das Bespucken westlicher Besucher, also, all die Dinge auszuklammern, von denen Frau Maischberger ganz sicher weiß, dass sie doch das wahre China ausmachen, das ist schon ein böser Affront. Letztendlich hätte sie sich wohl gewünscht, dass die Show aus einer 5stündigen Parade stolpernder Soldaten bestanden hätte, die alle ein Schild mit der Aufschrift „zwangsrekrutierte Minderheit“ auf dem Rücken tragen.

Es mag einer der großen Vorteile der Gegenwart sein, dass Informationen schnell reisen, Geheimnisse nicht lange Geheimnisse bleiben und Missstände im internationalen Maßstab viel schneller und deutlicher erkannt und benannt werden. Es ist aber einer der Nachteile der Gegenwart, dass das Geschrei der Gerechten und Selbstgerechten, sehr oft sehr schnell jegliche Nützlichkeit hinter sich lässt und in selbstbeweihräucherndes Gekeife umschlägt. China befindet sich in einem Prozess des Wandels: wo der enden wird weiß keiner. Wenn „wir“ (der Westen, die Demokratien) darauf Einfluss nehmen möchten, müssen wir uns bewusst sein, dass dieser Wandel seine Zeit dauern wird und das Ungeduld keine unserer dabei nötigen Tugenden sein kann.

Logisch zu Ende gedacht, bedeutet die pausenlose China-Schelte Maischbergers, dass man, wenn man dem Veranstalter seine Missetaten unter die Nase reiben will, um jegliche Anerkennung von dessen Leistungen zu verhindern, genauso gut bei jedem einzelnen Wettbewerbsteilnehmer die Untaten und Versäumnisse seines Landes auflisten müsste: „Dirk verwandelt den drei-Punkte-Wurf und jubelt. Hat er denn vergessen, dass letztes Jahr in Deutschland 2% mehr rechtsextremistische Straftaten registiert wurden? Aber schon setzen die Polen zum Gegenzug an, fast so als gäbe es die offene Anfeindung homosexueller Menschen in ihrer Heimat nicht!“ Will sagen: die politische Neutralität der olympischen Spiele ist nicht nur das Feigenblatt der erzwungenen Harmonie, sondern hat durchaus auch eine nette und sinnvolle Funktion: Man stelle sich vor, es würde sich tatsächlich ein wochenlanger, fairer Wettstreit zwischen Menschen aller Nationen entspinnen, bei dem niemand von Politik spricht und Teilnehmer wie Zuschauer den Menschen im sportlichen Gegner sehen, dessen Ziele und Wünsche nicht anders sind, als die eigenen. Ich weiß, Frau Maischberger, ich weiß: ein Schreckensszenario.
 
 
drehstuhlranger
03 August 2008 @ 02:42 pm
 
 
drehstuhlranger
23 July 2008 @ 12:18 pm
Obwohl es sowohl im rechtlichen als auch medizinischen Spezialvokabular das Wort "Inkapazität" gibt, wo es jeweils eine bestimmte Art einer Untauglichkeit oder Unfähigkeit beschreibt, und es im Englischen das Verb "to incapacitate" gibt, wo es unter anderem "jemanden außer Gefecht setzen, unfähig (zu irgendeiner Handlung) machen, kampfunfähig machen" bedeuten kann, ist der diesem Blogeintrag vorangegangene, zumindest laut Google, die einzige auffindbare Quelle für das Verb "inkapazitieren". Und das, obwohl es beispielsweise der auch nicht nach Alltagssprache klingende Begriff "Imponderabilien" (Unwägbarkeiten) es auf 18.900 Treffer bringt.
Sollten mich also Menschen mit Verachtung für mein momentan ausklingendes Studentenleben danach fragen, was ich an diesem Mittwoch getan habe, dann kann ich behaupten: Ich habe noch vor der Mittagsstunde ein neues Wort ins deutsche Lexikon eingeführt, mindestens aber ins weltweite Internet. Ob ihm ein so bleibender und durchschlagender Erfolg wie, sagen wir mal: Emily Haines großartigem Text-Intro zu dem Song "Monster Hospital" beschert sein wird*, kann man natürlich nicht vorher sagen, aber wenn ich diese Tat mit der Arbeit unseres Hausmeisters vergleiche, der jetzt schon den fünften Mittwoch in Folge Blätter mittels eines Laubbläsers zusammenfegt -- im Hochsommer (!), da die Zahl der herabfallenden Blätter weit unter der Zahl der Dezibel liegt, die besagtes Arbeitsinstrument für mindestens 45 Minuten pro Arbeitseinsatz verursacht --, dann muss ich doch sagen, dass ich der Welt hier den größeren Dienst erwiesen habe.

___
* Wie soll die trockene und präzise Art von "inkapazitieren" auch mithalten, mit der wildromantischen Expressivität von: "Bam shika bam shika boom boom bom/ sha wang sha wang boom/ sha wang sha wang boom/ Bam shika bam shika boom boom boom/ sha wang sha wang boom"? (0'25 - 0'35: http://www.youtube.com/watch?v=e_-jIYkPQAU) Auf der Live-DVD von Metric, "Live at Metropolis", versucht Emily übrigens bei exakt diesem Song, ihr etwas verheddertes Mikrofonkabel durch geschicktes Ausschütteln zu entheddern, was ein bisschen aussieht, als würde sie eine Peitsche schwingen, was sie, in ihrem figurbetonten Outfit nebst Stöckelschühchen, wiederum ein bisschen aussehen lässt, wie die tollste Domina der Welt. (Irgendwie auch ein first: "toll" als prämodifizierendes Adjektiv zu "Domina" -- wer hätte es bei der generellen Widerwärtigkeit dieses Berufsbildes gedacht.) Elektrisch unverstärkt präsentiert, hat der Song übrigens auch was (http://www.youtube.com/watch?v=Ttx5jqLZrHQ&feature=related), was, wie ich hoffe, nicht nur eine Täuschung ist, die schon wieder was mit Emilys Aussehen zu tun hat: Als Mann lässt man sich von leicht derangiertem Haar, dieser coolen Sonnenbrille und der fehlenden Restband ja leicht vorgaukeln, dass am Vorabend wilde Eskapaden zelebriert wurden, die die Bandmitglieder teils rotäugig und teils inkapazitiert (ha!) zurückgelassen haben: Der Bassist mag noch trunken im Bett liegen, der Schlagzeuger hat sich womöglich mit der Fremdenlegion nach Tansania eingeschifft. Frauen, die solchen Teufelskerl-Combos vorstehen, muss man doch mögen, selbst wenn die Musik doof ist. (Was sie nicht ist.)**
** Dieser Beitrag wurde nominiert für den "Most Incoherent Post Of The Day"-Award.
 
 
drehstuhlranger
Fest stehe, so der Nachrichtensprecher, bisher nur, dass die beiden sich unbekannten Jugendlichen sich um Mitternacht, so ein Polizeisprecher, auf der Straße über den Weg liefen und aus, so einer der Jugendlichen, keinem bestimmten Grund in Streit gerieten, in dessen Verlauf, so eine Nachrichtenagentur, einer der beiden ein Messer zückte, zustach und den anderen Jugendlichen, so der Nachrichtensprecher, unglücklich in der Brust traf, was, so ein Arzt, zu dessen schnellem Tode führte.
Unglücklich getroffen, so meine Mutter, habe er ihn wohl kaum, denn, so ich zustimmend, einen glücklicheren Angriffsverlauf als den, bei dem der Gegner mit nur einem Hieb inkapazitiert würde, könne man sich nun kaum denken, zumal, so meine Mutter, man sich dann auch fragen müsse, was in diesem Zusammenhang ein glücklicher Treffer gewesen wäre und warum dann, so ich, bei anderen Gewaltdelikten überlebende Opfer nie als „glücklich“ angeschossen, -gestochen oder -gefahren bezeichnet werden, während Kriegsmeldungen, so meine Mutter, in dieser Diktion ohnehin absurd klängen, wenn, so eine fiktive Pressemeldung eines hypothetischen Generalstabs in einem gedachten Konflikt, eine Reihe von siegreichen Schlachten als nichts anderes denn eine zehntausendfache Aneinandereihung unglücklicher Treffer zu betrachten sei.
 
 
drehstuhlranger
19 July 2008 @ 10:50 pm
Ein Freund erzählt: "Meine Frau und ich waren heute auf einer Party und unterhielten uns mit einem Paar über Schweden. Die Frau beschwerte sich gegenüber meiner Frau darüber, dass dort nur, Zitat, geile, blonde Frauen in kurzen Röcken, Zitat Ende, rumliefen und empfahl meiner Frau daher dringend einen Besuch höchstens im Winter. Ihr Freund, mein Gesprächspartner, fasste sich da kürzer und beschrieb den selben Sachverhalt und seine Sicht der Dinge mit nur einem Wort: 'Pornowunderland'."
 
 
drehstuhlranger

Das zwangzigste Jahrhundert war keines, für das es einen Mangel an prägenden Ideologien, deren Wettstreit und daraus resultierenden Konflikten zu verzeichnen gäbe: Totalitarismus vs Demokratie, Isolationismus vs Interventionismus, pre-1965-Newport-Folk-Festival-Bob Dylan vs post-1965-Newport-Folk-Festival-Bob-Dylan.

Was hat unser Jahrhundert da bisher zu bieten? Zumindest einen hoffnungsvollen Anwärter: Retronomizismus vs Kevinismus. Ersteres bezeichnet dabei das Bemühen bestimmter Eltern, den Namengebungsprozess für ihr Kind zu einem befriedegenden bildungsbürgerlichen Abschluss zu führen, auch unter Rückgriff auf seit der Kaiserzeit seltener werdende Vornamen. Letzteres beschreibt den gleichen, aber unter umgekehrten Vorzeichen stattfindenden Prozess bei bestimmten anderen Elterngruppen, deren Auswahl von Beliebigkeit, unheilsamer Beeinflussbarkeit durch submediokre Massenmedien und Unvertrautheit mit orthographischen Konventionen, die keinesfalls mit erfrischender Nonkonformität verwechselt werden darf, gekennzeichnet ist.

Wie jeder zünftige Zusammenprall der Ideologien bietet auch dieser genug Potential für Abspaltungen, Sektiererei und Forscherstreit: Sind von christlicher Tradition überlieferte Namen trotz ihrer langen Geschichte nicht mindestens ebenso abzulehnen, wie alle anderen Namen, die man als Ausdruck fehlgeleiteten Fantums der Eltern deuten würde? Der Unterschied zwischen Josua/Elias/Abraham und Frodo/Bilbo/Legolas ist schließlich gering, wird doch jeweils nur zum Ausdruck gebracht, welches Märchenbuch Mama und Papa gerne lesen. Auch unter den Freunden deutscher Namen kann unmöglich länger blinde Eintracht herrschen wenn die Frage, wie alt der Name denn sein dürfe, auf den Tisch kommt: Wenn Friedrich und Wilhelm wieder gesellschaftsfähig sind, wie steht es dann mit Ansgar, Brandolf, Folkward und Mutbrecht? Und: Wie passt der Ikeasmus ins Bild, jener Prozess, der mit der Massenverteilung des Ikea-Katalogs begann und als Opfer hinterließ: Kinder, die "überwiegend wie Ikea-Regale [heißen]" (1). 

Danken wir also den frühen Warnern, bleiben wachsam und hoffen, dass sich alles zum Guten wendet und wir nicht eines Tages die Vereidigung des ersten Bundeskanzlers namens Kevin erleben müssen.
 
 
 
drehstuhlranger
03 July 2008 @ 01:43 pm

i met you. i said, "you are pretty much my idol, emily."

and you said, "don't look too closely."

(Quelle)
 
 
drehstuhlranger
02 July 2008 @ 10:49 pm

Schon als ich den Aufkleber das erste Mal sah, wusste ich, dass etwas daran nicht stimmte. "Primates helping Primates", das klingt nach einer Hilfsorganisation für Affen, deren Lebensraum etc. Daran gibt es nichts auszusetzen. Besonders, wenn man weiß, was man auf der Homepage der Organisation in unmissverständlicher Klarheit erfährt: "De orang-oetan is een van de meest bedreigde diersoorten op aarde." (Gut, vielleicht hätte ich nicht die niederländische Web-Präsenz der Organisation zitieren sollen, aber Google spuckte die bei mir als ersten Treffer aus.) (Außerdem: So schwer ist der Satz nicht zu verstehen, ist doch die  Sprache unserer niederländischen Nachbarn mit der unserigen verwandt -- in etwa so, wie jener selten besuchte zahnlose Cousin vom Lande mit uns verwandt ist, den die paralegalen Fortpflanzungspraktiken der entlegenen Regionen unseres Landes zum ästhetischen Kabinettstück haben werden lassen.)

Trotzdem stimmte etwas mit dem Aufkleber nicht. Es fiel mir aber erst beim womöglich achten Vorbeilaufen an ihm auf: Weder war der Aufkleber zu kritisieren, noch das spezielle Ziel, für das er den Betrachter gewinnen soll, noch die allgemeine Grundhaltung, die er zum Ausdruck bringt, dieses aufrechte Verkünden, dass der Aufkleberanbringer ein Streiter wider die Habitatsvernichtung der Menschenaffen durch Affenmenschen ist, dass er ein kritischer Geist und Hinterfrager gängiger Praktiken ist und dass er vor allem wachen Auges durch die Welt geht. All das ist toll. Irritierend ist das nur, weil der Aufkleber im von mir beschriebenen Einzelfall auf einem SUV angebracht ist, also einem jener grotesk großen Geländewagen, ohne die der Vorortmensch von heute nicht mehr leben kann, weil er sich nur wohl fühlt, wenn er in einem Wagen zum Aldi und zurück fährt, der aussieht wie ein normales Auto, das einer allergischen Reaktion wegen auf des dreifache seiner normalen Größe angeschwollen ist und dessen ökologische Verträglichkeit sich in einem Rahmen bewegt, in dem es praktisch keine Rolle mehr spielt, würde man beim Fortbewegungsmittelkauf stattdessen auf einen industriellen Großraumkohleabbaubagger oder die Zweit-747 setzen. Auf dieses Fortbewegungsmittel einen solchen Aufkleber zu pappen, das ist dann ungefähr so toll als ob... nun... man stelle sich vor, ein nonkonformer Artillerist der joguslawischen Volksarmee, der 1992 dazu abkommandiert ist, das eingekesselte Mostar unter Beschuss zu nehmen, hat einen Aufkleber an seinem Arbeitsgerät angebracht, der den Bibelspruch "Schwerter zu Pflugscharen" wiedergibt. Und jetzt stelle man sich vor, wie dankbar ihm die Einwohner der beschossenen Stadt für diesen sensationellen Beitrag zum Weltfrieden sind.

Wir lernen daraus: Wer Sachen zu unterstützen vorgibt, an deren Sabotage er offensichtlich beteiligt ist, der macht sich selbst zum Affen.
 
 
drehstuhlranger
23 June 2008 @ 03:21 pm
Die Welt, öder. Drehstuhlranger, traurig.

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Nachtrag:
1) Louis CK, auch traurig: http://www.louisck.net/2008/06/goodbye-george-carlin.html
2) Kleine Werkschau bei Gawker: http://gawker.com/tag/clips/?i=396796&t=7-moments-of-george-carlin-greatness
3) CBS-Nachrichten: http://www.youtube.com/watch?v=qEjcz2OZYIU (Man beachte, dass dort nicht davor zurückgeschreckt wird, auch die Ausschnitte aus Carlins Werk anzuspielen, die man, FCC-Regularien wegen, so bearbeiten muss, dass sie komplett unverständlich werden. Anders gesagt: Carlins "Sieben Worte" zu spielen und dann jedes einzelne pflichtgemäß zu zensieren, werte ich als intendierten Humor.)
 
 
drehstuhlranger
22 June 2008 @ 02:17 pm

Danke, anecdotage.com, für den unfreiwilligen Hinweis, dass bunt entworfene Internetauftritte (Clowns! Sterne! Lächelnde Conférenciers! Alles gezeichnet!) und betont unterhaltungsorientierte Seitenslogans ("Famous People, Funny Stories") dann doch nicht als Standardrahmen für jeden beliebigen fun fact taugen.

"Wanna hear my favourite 9/11-story? Wait... let me rephrase that." Todd Barry
 
 
drehstuhlranger
18 June 2008 @ 12:32 pm
Danke AOL-Ladebildschirm, für den nützlichen Hinweis, dass man mit der Zeichenfolge  |*_*|  das Wort "Kassette" ausdrücken könne. Ich gebe freimütig zu, dass ich mich an kaum eine Bildschirm-Texterei erinnern kann, während der ich nicht das Wort "Kassette" benutzte und darüberhinaus durch eine kürzere Alternative zu ersetzen suchte. Danke, AOL-Ladebildschirm, für die Lösung meiner dringlichsten Probleme.
 
 
drehstuhlranger

"In gay slang, a "friend of Dorothy" (occasionally abbreviated FOD) is a term for a gay man.[1] The phrase dates back to at least World War II, when homosexual acts were illegal in the United States. Stating that, or asking if, someone was a "friend of Dorothy" was a euphemism used for discussing sexual orientation without others knowing its meaning. The origin of the term is unknown and there are various theories.[2] A similar term "friend of Mrs King" (ie Queen) was used in England, mostly in the first half of the 20th century.[3]

(...)

In the early 1980s, the Naval Investigative Service was investigating homosexuality in the Chicago area. Agents discovered that gay men sometimes referred to themselves as "friends of Dorothy." Unaware of the historical meaning of the term, the NIS believed that a woman named Dorothy was at the center of a massive ring of homosexual military personnel. The NIS launched an enormous hunt for Dorothy, hoping to find her and convince her to reveal the names of gay servicemembers.[9] "

 
 
 
 

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